Loop-it: Matratzenrecycling senkt CO2-Emissionen um 87 Prozent

Artikel vom 8. Juli 2026
Kreislaufwirtschaft

Loop-it verarbeitet in Oberwölbling bis zu 500 gebrauchte Matratzen pro Arbeitstag. Rund 80 % des Materials werden weiterverwendet. Im Vergleich zur Verbrennung sinken die CO₂-Emissionen je Matratze laut Berechnung mit ClimatePartner um 87 %.

Jernej Hren (re.), Geschäftsführer bei Loop-it und Group Innovation Officer bei Brantner green Solutions, Michael Bednarek, Geschäftsführer Loop-it und Transformation Manager bei Neveon (Bilder: Brantner/Johannes Bitter Photography).

Michael Bednarek (li.), Geschäftsführer Loop-it und Transformation Manager bei Neveon, und Jernej Hren (re.), Geschäftsführer bei Loop-it und Group Innovation Officer bei Brantner green Solutions (Bilder: Johannes Bitter Photography bzw. Brantner).

Loop-it, das erste Unternehmen für Matratzenrecycling in Österreich, zieht eine erste Zwischenbilanz aus dem laufenden Betrieb: Am Standort Oberwölbling im Bezirk St. Pölten werden inzwischen bis zu 500 gebrauchte Matratzen pro Arbeitstag verarbeitet. Das entspricht rund 7 t Material pro Tag und hochgerechnet einer Kapazität von 110.000 Matratzen pro Jahr. Rund 80 % der eingesetzten Materialien werden laut Unternehmensangabe weiterverwendet statt thermisch verwertet.

Die Klimabilanz wird im Vergleich zur Verbrennung deutlich günstiger eingeschätzt. Während die thermische Verwertung einer durchschnittlich 14 kg schweren Matratze 26,47 kg CO₂ verursacht, entstehen im Recyclingprozess 3,42 kg CO₂. Daraus wird eine Einsparung von 23,05 kg CO₂ bzw. rund 87 % je Matratze errechnet. Die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks erfolgte in Zusammenarbeit mit ClimatePartner.

»Mit Loop-it zeigen wir, dass Kreislaufwirtschaft auch bei komplexen Produkten wie Matratzen technologisch umsetzbar ist. Unser Ziel war von Anfang an, einen völlig neuen Stoffstrom für das Recycling zu erschließen, was uns nun endlich im industriellen Maßstab gelingt. Dadurch stärken wir auch den Industriestandort Niederösterreich«, erklärt Jernej Hren, Geschäftsführer Loop-it GmbH und Group Innovation Officer bei Brantner. »Ziel von Loop-it ist es, wertvolle Rohstoffe im Kreislauf zu halten und die Zukunft unserer Branche aktiv mitzugestalten. Wir wollen zeigen, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Das gelingt jedoch nur, wenn alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten. Genau dafür schaffen wir die Grundlage«, ergänzt Michael Bednarek, Geschäftsführer Loop-it GmbH und Transformation Manager bei Neveon.

Rohstoffe aus einem bisherigen Abfallstrom

In Österreich werden jährlich mehr als eine Million Matratzen entsorgt. Ein großer Teil landet weiterhin in der Verbrennung, obwohl die Produkte verwertbare Materialien wie Polyurethanschaum, Latex und Metalle enthalten. Loop-it, das Gemeinschaftsunternehmen von Brantner green solutions und Neveon, setzt hier an und bereitet diese Stoffe für neue Anwendungen auf.

Die gewonnenen Sekundärrohstoffe bilden die Grundlage für mechanisches und chemisches Recycling. Sie können unter anderem für neue Produkte wie Teppichunterlagen oder Schalldämmungselemente genutzt werden. Damit entsteht aus einem bislang überwiegend linearen Abfallstrom ein Rohstoffkreislauf.

Automatisierung und KI in der Anlage

Die Anlage arbeitet mit automatisierten Prozessen, wobei künstliche Intelligenz dabei unterstützt, die betrieblichen Abläufe zu optimieren und Materialien präzise zu analysieren. Die daraus gewonnenen Rezyklate können künftig dazu beitragen, den Verbrauch und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen in der Produktion zu verringern.

Nach der Zerlegung und Sortierung werden die Materialien zu Ballen gepresst. Bei Polyurethan erreichen diese Ballen ein Gewicht von rund 350 kg, bei Latex rund 460 kg. So lassen sich die sortierten Stoffströme für die weitere Verwertung handhaben und transportieren.

Recycling-Infrastruktur ohne EPR-System

In Österreich besteht derzeit keine verpflichtende Herstellerverantwortung für Matratzen im Sinne einer Inverkehrbringergebühr. Eine solche Abgabe würde die spätere Sammlung und das Recycling von Matratzen finanzieren. Dennoch wurde bereits eine eigene Infrastruktur aufgebaut und in Betrieb genommen. Damit zeige der laufende Betrieb, dass sich auch komplex aufgebaute Produkte wie Matratzen in industrielle Recyclingprozesse integrieren lassen. Entscheidend sei dabei die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette – von Sammelstellen über technische Aufbereitung bis zur Weiterverwendung der Materialien.

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