MES-Plattform vernetzt Spritzgießprozesse und Energie
Branchensoftware
Wittmann stellt auf der Fakuma 2026 »Temi Next« vor: Die MES-Plattform bildet Spritzgieß-, Montage-, Abfüll- und Verpackungsprozesse in einem Modell ab, bindet Anlagen per Euromap, OPC UA und weiteren Protokollen ein und umfasst ein Energiemanagement.

MES-Softwaregeneration für die digitale Produktion von morgen (Bild: Wittmann).
Die Wittmann-Gruppe zeigt auf der Fakuma 2026 in Friedrichshafen die neue MES-Plattform »Temi Next«. Im Mittelpunkt steht ein durchgängiges Modell für Produktionsprozesse, das nicht nur Spritzgießmaschinen, sondern auch Montageprozesse, Abfüll- und Verpackungsanlagen sowie weitere Komponenten unterschiedlicher Anbieter einbindet. Maschinen verschiedener Marken lassen sich wie bisher über Euromap-Schnittstellen und OPC UA integrieren. Weiterhin wurde die Zahl der unterstützten Protokolle erweitert.
Prozessdaten für KI-Anwendungen
Die Neuentwicklung ist auf den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion ausgerichtet. Dafür braucht es belastbare Daten, die den Zustand im Betrieb nachvollziehbar abbilden. Die Software wurde deshalb nicht nur um einzelne KI-Funktionen ergänzt, sondern neu aufgebaut. Sie soll Kennzahlen bereitstellen sowie die Produktionsrealität, den Prozessstatus und Qualitätsdaten zusammenführen und damit eine Grundlage für digitale Auswertungen schaffen.
Der Ansatz geht laut Wittmann über die reine Spritzgießverarbeitung hinaus. Das System erfasst Abläufe entlang unterschiedlicher Produktionsbereiche und kann weitere Komponenten einbinden. Damit empfiehlt es der Anbieter für Betriebe, die ihre Fertigung über einzelne Maschinen hinaus digital abbilden möchten.
Energiemanagement und Kostenbetrachtung
Ein Bestandteil der Plattform ist das Energiemanagement. Das Energie-Modul der Verbrauchsmanagementsoftware »iMAGOxt« ist integriert, um Energieverbrauch und CO₂‑Emissionen beispielsweise pro Maschine, Bauteil oder Charge auswerten zu können. Zusammen mit Prozess- und Qualitätsdaten entsteht so eine breitere Sicht auf Produktionskosten und Effizienz.
Der Energieverbrauch wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern mit den Daten einzelner Prozesskomponenten verknüpft. Für Anwender kann das helfen, Stückkosten genauer zu berechnen und energetische Einflussgrößen in der Fertigung transparent zu machen. Gerade in der Spritzgießverarbeitung, aber auch in angrenzenden Produktionsumgebungen, gewinnt diese Verbindung aus Prozessdaten, Qualität und Verbrauchsdaten an Bedeutung.
Bedienung, SaaS-Modell und Migration
Die Plattform soll sich in bestehende Unternehmenssysteme integrieren und an ERP-Systeme wie SAP oder Odoo anbinden lassen. Für die Nutzung wurde die Oberfläche neu gestaltet. Rollenbasierte Ansichten sollen dafür sorgen, dass unterschiedliche Nutzergruppen die für sie relevanten Informationen sehen. Die Arbeit erfolgt mit Echtzeitdaten, ohne dass Seiten aktiv aktualisiert werden müssen.
Die Benutzerführung ist auf kurze Einarbeitungszeiten ausgelegt. Davon sollen neues Personal, Quereinsteiger und internationale Teams profitieren, zumal die Software mehrere Sprachen unterstützt. Neben der technischen Integration rückt damit auch die Bedienbarkeit stärker in den Fokus.
Neu ist zudem das Bereitstellungsmodell als Software as a Service (SaaS) im Abonnement. Anwender zahlen nach Nutzung, erhalten Updates, Wartung und Weiterentwicklungen zentral und müssen keine lokale Installation vor Ort betreiben. Das kann den Aufwand für die interne IT verringern und die Skalierung erleichtern, wenn sich Anforderungen im Betrieb ändern. Die Vorgängerversion »Temi+« wird weiter unterstützt; für einen Wechsel auf die neue Plattform ist ein Migrationsprozess vorgesehen.




