Rohstoffpreise drücken Erträge bei Kunststoffverpackungen

Artikel vom 7. Juli 2026
Aus- und Weiterbildung, Veranstaltungen

Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. sieht für das dritte Quartal 2026 gedämpfte Erwartungen in der Branche. Gestiegene Rohstoffpreise treiben Umsätze, belasten aber die Erträge, während Absatz und Export weitgehend seitwärts laufen dürften.

92 Hersteller von Kunststoffverpackungen und -folien in Deutschland bewerten die Konjunktur für das dritte Quartal 2026 zurückhaltend. Das hat die aktuelle Konjunkturumfrage der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen ergeben. Zwar konnten viele Betriebe die deutlich gestiegenen Rohstoffkosten zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben. Gleichzeitig bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld schwach, und die Ertragslage steht weiter unter Druck.

Fast 60 % der befragten Unternehmen beschreiben die aktuelle Lage als schlecht. Rund 37 % bewerten sie als befriedigend, gut 4 % als gut. Damit zeigt sich die allgemeine Unsicherheit auch in dieser Branche. Der ifo-Geschäftsklimaindex weist in der Teilbranche Gummi- und Kunststoffwaren im Mai zwar einen Geschäftslage-Saldo von –2,9 Punkten aus und liegt damit weniger negativ als in den Vormonaten sowie besser als der Industriedurchschnitt mit –9,0 Punkten. Von einer belastbaren Erholung ist die Branche aber noch entfernt.

Absatz und Export bewegen sich seitwärts

Für das dritte Quartal rechnen die Hersteller überwiegend mit stabilen Geschäften. Beim Absatz erwarten 56 % der Unternehmen eine unveränderte Entwicklung, gut 32 % gehen von Rückgängen aus, knapp 12 % rechnen mit einer Verbesserung. Bei den Exporten zeigt sich ein ähnliches Bild: Rund 68 % erwarten gleichbleibende Bedingungen, knapp 24 % eine Verschlechterung und knapp 8 % eine Verbesserung.

Die Umsätze sind im zweiten Quartal zwar gestiegen, der Zuwachs spiegelt aber vor allem höhere Kosten wider. Nach einer Umfrage von April lagen die Preise für Neuware seit Februar im Schnitt um fast 58 % höher. Durch teilweise Weitergabe dieser Kosten stieg der Branchenumsatz im zweiten Quartal um rund 13 % gegenüber dem Vorquartal. Für die Profitabilität bringt das jedoch wenig Entlastung: 48 % der Unternehmen rechnen mit schlechteren Erträgen, 43 % mit einer unveränderten Lage und nur 9 % mit einer Verbesserung.

Rohstoffverfügbarkeit entspannt sich, Kosten bleiben kritisch

Der Rohstoffkostenanteil an den Herstellungskosten liegt laut April-Umfrage im Schnitt bei rund 46 %. Damit bleibt der Kostendruck hoch. Positiver fällt die Einschätzung zur Verfügbarkeit aus: Die Sorge vor Materialengpässen aus dem Frühjahr geht zurück. Der Saldo zur erwarteten Rohstoffverfügbarkeit steigt für das dritte Quartal auf +34 Punkte. Ende März war dieser Erwartungswert für das zweite Quartal noch auf –86 Punkte gefallen. Auslöser waren unter anderem Unsicherheiten durch die Blockade der Straße von Hormus und Force-Majeure-Meldungen.

Die Branche kämpft also derzeit weniger mit einem physischen Mangel an Material, sondern vor allem mit hohen Preisen und dem Wettbewerb um sichere Liefermengen. Das belastet Kalkulation, Margen und Planungssicherheit gleichermaßen.

Beschäftigung soll trotz Krise stabil bleiben

Bei den Beschäftigten setzen die Mitgliedsunternehmen auf Kontinuität. 68 % planen eine stabile Beschäftigtenzahl, rund 9 % ziehen einen Aufbau in Betracht. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und demografischer Veränderungen wollen die Betriebe qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten. Die aktuelle Expertenbefragung »Die Zukunft des Mittelstands 2026« des IfM Bonn nennt dies ebenfalls als wichtige Herausforderung für Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit.

Dr. Laura Müller, Referentin Wirtschaft, ordnet die Lage so ein: »Die Kunststoffverpackungsindustrie hält im schwierigen Umfeld Kurs: Unsere Unternehmen sichern Beschäftigung und Versorgung. Damit diese Strategie trägt, braucht es weniger Bürokratie, niedrigere Energiekosten und steuerliche Entlastungen – denn genau diese Rahmenbedingungen stärken Investitionen, Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.«

Teilen
PDF-Download
Weiterempfehlen
Drucken
Anzeige Hersteller aus dieser Kategorie